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Eine Annäherung an den Bonner Künstler Hellmuth Eichner und dessen jüngste Arbeiten
„Rahmen passen nicht ins Kontakt“
Von Bernward Althoff (Bonner Rundschau)
Das Backsteinhaus unweit des Beethovenplatzes in der gutbürgerlichen Bonner Südstadt will nun wirklich nicht als Heim eines Künstlers gelten, der seine ersten Gehversuche in der bildenden Kunst in den unruhigen 60er Jahren tat, der Schüler von Josef Beuys wurde, nachdem ihm das packende Bild “ INRI “ den Rausschmiss aus den Kölner Werkschulen beschert hatte. Nein, die Annäherung an den Menschen Hellmuth Eichner- kurz “Der Eichner “- gerät für den Betrachter gleichsam zu einer inneren Umkehr, weg von den gewohnten Klischees, wonach ein freischaffender Künstler der Jetztzeit zu sein habe-,, ja, wie eigentlich? Der Mitvierziger mit Rauschebart, Nickelbrille und bequemer, schwarzer Hose empfängt mich in seinem Notatelier, seiner Garage im Hinterhof – weil, sein eigentliches Atelier einen Steinwurf weiter lässt ihn seit einiger Zeit nicht mehr richtig zum Zuge kommen, aber das ist eine andere Geschichte. “Der Eichner“ härtet mit Polyester ein neues Objekt auf der Rückseite aus, damit es ordentlich versteift wird.“ Gerahmtes“ will nicht mehr in sein Konzept passen, „weil es zu sehr vom eigentlichen Objekt ablenkt“. Bei dieser Arbeit hilft ihm die 20 jährige Susanne, Freundin des Hauses und in den Sommersemestern so etwas wie ein Adlatus für Hellmuth Eichner. Der Werkstoff Acryl hat für den Wahlbonner, dessen leicht spöttischer Zug um die Mundwinkel den rheinischen Schmunzler vermuten lässt, zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Nachdem er seit den 70er Jahren ausgiebig mit der von ihm entwickelten und zur handwerklichen Perfektion gebrachen Kratztechnik operiert hat, will “Der Eichner“ nun weg von den eindimensionalen Bildern hin zur Vollplastik. Obwohl, so ganz abrupt gerät der Wechsel denn doch nicht, weil sich schon in seinen jüngsten Bildern, die an Kulissenarbeiten erinnern, versteckt die eine oder andere Halbplastik ankündigt. Als Beispiel mag der Eingang zu einem Haus im Lago Maggiore dienen, der von zwei Blumenkästen gerahmt ist, wobei die linke Tonne reliefartig aus dem Bild herausragt – geschicktes Verwirrspiel mit der trägen menschlichen Optik. Bei seinen neuen Objekten helfen dem Künstler auch Draht, Pappe und eben Polyester. Den Weg in die Galerie hat bereit die Arbeit “Kirche und Staat“ gefunden, an der Hellmuth Eichner noch den einen oder anderen Handgriff zu machen hat. Bis Mitte Juni war sie im sogenannten “Museum auf Zeit“ in der Poppelsdorfer Allee zu sehen.Der erste Anschein erinnert an eine rheinische Triumphsäule, vielleicht hat Eichner auch in seinem Innersten an die Verherrlichung eines antiken Imperator, Usurpators oder einen Gottkaiser gedacht. Hier aber nimmt den Platz ganz oben die Kirche ein, versteckt allerdings, so der Künstler einen Spiegel installiert hat, damit man einen Blick von ihr erhaschen kann. „Genau wie in der Wirklichkeit“, fügt er hinzu “, weil die Kirche immer noch den Staat beherrscht, obwohl man sie nicht mehr wahrnimmt. Der Staat- das ist der hohe, lange Turmschaft, an dem sich unzählige kleine Behausungen emporschlängeln. Trotz allem: “Religiöse Themen faszinieren mich“, gesteht er im Nachhinein. Ein scheinbar ähnliches Objekt ist die „Lebensferne“, das jüngste Objekt von Hellmuth Eichner. In einem Stahlkäfig rankt sich wie eine Wirbelsäule das Leben von der Geburt bis zum Tod empor, und das ist es denn auch, was den Betrachter zum Nachdenken bringt. Haben wir doch von unserem Leben immer den Eindruck gehabt, dass es sich sinuskurvenartig von unten nach oben entwickelt und dann allmählich nach Verlust der inneren wie Äusseren Spannkraft abschwingt. Der Eichner sieht die „Humana Comedia“, die menschliche Komödie“, mit ihren Irrungen und Wirrungen viel linearer. Nach der Jugend gestattet er die eine oder andere Abweichung, danach geht es stracks nach oben zum Ende des Lebens hin, eben zum Tod. Und offenbart sich als Friedhof, aber nicht als typisch deutscher, heimeliger Park mit geordneten Gräbern samt Buchshecke, blank polierten Grableuchten und Grabsteinen, sondern als desillusionierender Schindacker, auf dem die Leblosen wirr durcheinander liegen. Da will sich kein Leben nach dem Tod einstellen. Doch ganz so apokalyptisch und düster ist der Mensch Hellmuth Eichner wirklich nicht. Er liebt das Leben und seine angenehmen Seiten wie ein gutes Essen. (Vorzugsweise im „Casanova“, wo auch zwei Bilder von ihm hängen), oder auch seine so genannte Nobelkarosse(die mit der weißblauen Niere)..Sein Haus, dass er vor 5 Jahren erwarb, hat unaufdringlich modernes Mobiliar, überall hängen Eichners Bilder. Diese, sagen wir einmal gutbürgerliche Seite des Künstlers, zu der last but not least seine Familie zählt, basiert auf harter, kontinuierlicher Arbeit. “Das Leben hat mir nichts geschenkt“. Schon früh musste ich auf eigenen Beinen stehen, eine Familie ernähren, und das hieß, ständiges Arbeiten“. Den Bohemien in ihm, den es am Anfang gegeben haben mag, hat der reale Alltag alsbald ausgetrieben.“ Doch andererseits“, so fügt Eichner hinzu,“ hat es mich davor bewahrt, nach frühen Erfolgen zu lange auszuruhen“. Erfolg und Publicity stellten sich bei dem in Köln aufgewachsenem Künstler tatsächlich früh ein. Schon 1966 präsentierte ihn die Galerie Gmurzynska in Köln, zwei Jahre später waren Eichner Werke bereits in der Jahresausstellung des Kölner Kunstvereines zu sehen. Erster Höhepunkt im Jahre 1970 war die Teilnahme an dem „Rhein Tiber Preis“ in Rom.Synonym für diese frühen Erfolge waren die Bilder mit den verzerrten, übergroßen Köpfen. Stets ist Hellmuth Eichner dem Gegenständlichen verhaftet geblieben, doch das will nicht viel besagen. Zu seinen bekanntesten Anhängern gehört übrigens Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, der in seinem Arbeitszimmer das Eichner Bild „Arbeiter mit Spießbütt“ hängen hat. Das Verhältnis der hiesigen Kunstszene und deren Institutionen will er nicht ausführlich kommentieren. Kurz gesagt, es ist eher ein Un -Verhältnis, man sagt sich nichts mehr.“ Der Eichner“ bleibt, was er war, - ein Einzelgänger, der sich nicht in Schubladen pressen lässt. Und obendrein ein rheinischer Spötter, nicht ungleich unserem ersten Kanzler unserer Republik Konrad Adenauer.
Abschied aus dem Haus, Händedruck, ein Klaps auf die Schulter und augenzwinkernd die Aufforderung, "Schreiben sie was Schönes“. Na denn!
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